Die Österreichische Nationalbibliothek gibt die während der Zeit des Nationalsozialismus in Wien konfiszierten Bücher an die Tschechische Republik und die Slowakei zurück

2017-02-14

Es handelt sich um den Teil des Bücherfonds, der während der Zeit des Nationalsozialismus vom tschechischen Verein Sokol und insbesondere vom Schulverein Komensky konfisziert wurde, in deren Gebäude sich auch der Bücherfonds der Kulturhistorischen Kommission befand. Insgesamt beschlagnahmten die Nazis 4500 bis 4800 Bücher von der Kulturhistorischen Kommission, die nach Österreich in die Nationalbibliothek gebracht wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Jahr 1947 ein großer Teil der beschlagnahmten Bücher zurückgegeben. Der Komensky Schule gab man beispielsweise 124.000 Bücher und andere Unterlagen, und der Kulturhistorischen Kommission 1579 Bücher zurück. Dennoch, mehr als die Hälfte der gesamten Anzahl der beschlagnahmten Bücher konnte man nicht auffinden. Nach vielen Jahren zeigte sich, dass Teile der Bücher des Besitzes der Kulturhistorischen Kommission versehentlich in der Nationalbibliothek blieben. Zu dem verlorenen Teil der Bücher existiert die Hypothese, dass sie von den deutschen Behörden nach Berlin ins Zentrallager gebracht wurden, von denen allmählich einzelne Publikationen an die verschiedenen Bibliotheken im ganzen Gebiet des ehemaligen Deutschen Reichs versendet wurden.

2004 entschied der österreichische Beirat, der für das Bundeskanzleramt fungiert, die Rückgabe der Kulturgegenstände und damit der 97 Bücher der Kulturhistorischen Kommission, die der Österreichischen Nationalbibliothek, der Kulturhistorischen Kommission oder deren rechtmäßigen Nachfolgern gehören. Im Jahr 2015 hat die Nationalbibliothek die Verhandlungen mit den Botschaften der Tschechischen Republik und der Slowakei in Österreich, den rechtmäßigen Nachfolgern der Kulturhistorischen Kommission, eröffnet. Die Vertreter der Tschechischen Republik und der Slowakei vereinbarten anschließend einen Schlüssel, gemäß dem die Bücher verteilt wurden. Die Tschechische Republik erhielt 88 Bücher und die Slowakei 9.

Die feierliche Übergabe der Bücher fand im Van Swieten Saal in der Österreichischen Nationalbibliothek, in Anwesenheit der Botschafter der Tschechischen Republik Jan Sechter und der Slowakei Juraj Macháč, statt. Bei der Übergabe nahmen ebenso die Direktorin der Abteilung für Administration und Informationsverarbeitung vom Ministerium für auswärtige Angelegenheiten Blanka Fajkusová und Vertreter der Slowakischen Nationalbibliothek in Martin und der Universitätsbibliothek in Bratislava teil. Die Österreichische Nationalbibliothek wurde von der Generaldirektorin Johanna Rachinger und den Provenienzforscherinnen der Bücherfonds Margot Werner und Doris Pommerening vertreten. An der Übergabe nahmen ebenso die VertreterInnen des Bundeskanzleramtes Dr. Heinz Schödl, Christoph Bazil und Doris Karner sowie die Vertreterinnen vom österreichischen Ministerium, die Sektionsleiterinnen Evelyn Von Bülow und Teresa Indjein, teil.

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